© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 33/18 / 10. August 2018

Linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“
Systemstabilisierung als Ziel
Thorsten Hinz

Den Bürgerinnen und Bürgern muß zugehört werden!“ Das ist die Tonlage, in der Untertanen sich an ihren Fürsten beziehungsweise den Obrigkeitsstaat wenden. Der Satz stammt jedoch nicht aus der Bismarck-Zeit, sondern er prangt ganz oben auf der neuen Website der „Sammlungsbewegung Aufstehen!“, die am 4. September mit der linken Spitzenfrau Sahra Wagenknecht an den Start gehen wird. Die Bewegung will Antworten auf die Globalisierung, die Digitalisierung, die Fluchtbewegungen, auf die Krise des Parteienstaates und die Not der in die Defensive geratenen Linken geben. Als Vorbild schwebt den Organisatoren die Bewegung „En marche“ des französischen Präsidenten Macron vor. 

Doch Neues, gar Revolutionäres wird nicht geboten. Objektiv stellt die Bewegung ein Auffangbecken für unzufriedene Wähler dar, die zur AfD abzuwandern drohen. Ihr eigentlicher Zweck liegt in der Systemstabilisierung. Die präsentierten Forderungen klingen verwaschen bis unfreiwillig komisch: „Kein Kind soll in Armut aufwachsen!“ Bedeutet das ein Fortpflanzungsverbot für Sozialhilfe-Dynastien? „Flaschen sammeln darf keine Lösung sein!“ Gilt das auch für die Listenaufstellung der etablierten Parteien?

Wieviel stolzer klingt da die Forderung: „Holen wir uns unser Land zurück!“