© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 14-21 / 02. April 2021

Genderschreibung: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Rechtschreibrat eiert herum
Thomas Paulwitz

Es klingt erfreulich: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat entschieden, Genderschreibweisen nicht in das amtliche Regelwerk aufzunehmen. Mit einer Einschränkung: „zu diesem Zeitpunkt“. Das bedeutet: Die Aufnahme des Gendersterns, -unterstrichs, -doppelpunkts und so weiter in die Rechtschreibregeln ist noch lange nicht vom Tisch.

Was der Rat in seinem Bericht empfehlen wird, den er 2022 der Kultusministerkonferenz übergeben wird, ist also weiterhin unklar. Starke Gender-Lobbyisten innerhalb des Rats setzen sich für Genderschreibweisen ein, allen voran die Feministin Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Dudenredaktion. Doch Henning Lobin, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, an dem die Geschäftsstelle des Rechtschreibrats angesiedelt ist, bleibt bewußt nebulös: keine klare Empfehlung der ideologischen Genderschreibweisen, aber auch keine Ablehnung. Am liebsten würde er den Genderstern zur typographischen Frage erklären und den Rat als nicht zuständig.

Unterdessen schaffen andere Fakten: So werden Studenten der Universität Kassel schlechter benotet, wenn sie ihre Texte nicht gendern. Eine klare Botschaft des Rechtschreibrats könnte hier wegweisend sein. Doch diesem fällt kurz vor Ostern nichts Besseres ein, als herumzueiern.






Thomas Paulwitz  ist Schriftleiter der Zeitung Deutsche Sprachwelt.