© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 18-21 / 30. April 2021

Staatlich geförderte Senkung des Unterrichtsniveaus
Englischer Prototyp für ganz Deutschland
(dg)

In grauer Vorzeit, als Bayerns Ministerpräsident noch Edmund Stoiber hieß, zog die CSU in den Europawahlkampf mit dem Spruch: „Bayern ist unsere Heimat, Europa ist unsere Zukunft“. Woraus nicht allein Böswillige folgerten, Heimat habe für die ewige Regierungspartei des Freistaates keinerlei Zukunft. Wer demgemäß immer schon argwöhnte, der Konservatismus der CSU sei nichts weiter als wahltaktischer Nepp, um den Vorrang zu vernebeln, den die Münchner Staatskanzlei dem Laptop vor der Lederhose stets einräumt, dürfte sich mit der am 1. Januar 2021 erfolgten Neugründung der TU Nürnberg bestätigt fühlen. Der hat die bayerische Staatsregierung Englisch als Hauptsprache in Forschung und Lehre verordnet, um die „Sichtbarkeit“ dieses Standorts im „internationalen Wettbewerb zu steigern“. Überhaupt solle die Hochschule Furore machen als „Prototyp einer internationalen Universität“. Die, so erklärte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler, „Modellcharakter für ganz Deutschland“ beanspruche. Für den Biochemiker Hermann H. Dieter, den stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache, steht das TU-Nürnberg-Gesetz vom 9. Dezember 2020, das die Uni verpflichtet, überwiegend englischsprachige Studiengänge anzubieten, in klarem Widerspruch zu sprachpolitischen Empfehlungen des Wissenschaftsrats und der Hochschulrektorenkonferenz. Zudem fördere es eine „staatlich verordnete Amputation der Qualität akademischer Lehre“, weil es landessprachliche Lehrangebote verdränge und Studierwillige sogar ohne jede Deutschkenntnisse zulasse (Deutsche Sprachwelt, 83/2021). 


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