© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 18-21 / 30. April 2021

Zeitschriftenkritik: Deutsche Sprachwelt
Der Duden verspielt seinen Ruf
Werner Olles

Thomas Paulwitz, Schriftleiter der vierteljährlich vom Verein für Sprachpflege e.V. herausgegebenen Zeitschrift Deutsche Sprachwelt („Die Plattform für alle, die Sprache lieben“), geht in der aktuellen Frühlingsausgabe 2021 hart ins Gericht mit der „Genderei“, die derzeit außer Rand und Band geraten scheint: „Früher hätte man darüber einfach nur gelacht. Heute muß man befürchten, daß es morgen im Duden steht“, äußerte sich jüngst auf Facebook ein Leser der Zeitung. Eine unhöfliche Gender-Antwort erhielt ein anderer Leser der Deutschen Sprachwelt, als er sich für eine Impfung gegen das Coronavirus anmelden wollte. Das „Service Team-Impfen“ verweigerte ihm die Anrede als „Herr“, obwohl aus seinem Vornamen Gunter klar sein Geschlecht hervorging. Zudem belästigten ihn die Impfhelfer mit einem Rechtschreibfehler, dem Genderstern: „Sehr geehrte*r Gunter Grabowski“.

Im Duden finden sich seit kurzem Wörter wie „Menschin“, „Gästin“, „Bösewichtin“. Daß der Duden mit seiner Genderpolitik den letzten Rest seines einstmals guten Rufs verspielt und vom Einheitswerk zum Spaltpilz degeneriert, scheint dessen Redaktion jedoch ziemlich egal zu sein. So schreibt eine Leserin aus Düsseldorf, daß sie sich durch die Gendersterne als Frau beleidigt fühlt und bittet alle dafür Verantwortlichen darum, auf die Barrikaden zu gehen, um unsere deutsche Sprache zu retten. 

Der VDS rief daher die Aktion „Rettet die Deutsche Sprache vor dem Duden“ ins Leben, die bis Mitte März mehr als 32.000 Personen unterzeichneten, darunter Dieter Nuhr, Reiner Kunze und Monika Maron. Sie fordern den Duden auf, seine Sexualisierungspläne zu überdenken, in Zukunft sensibler und duldsamer mit der deutschen Sprache umzugehen und sich auf seine ursprünglichen Ziele zu besinnen. Der Duden betreibe „eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist.“ Der Duden sei von wissenschaftlicher Neutralität weiter entfernt denn je. Auch der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Henning Lobin, zieht nun für ihn in den „Sprachkampf“. Nach seiner Lesart ist der Widerstand gegen politisch korrekte Sprache und Genderdeutsch Teil einer „neuen rechten Agenda“. Zu den Gender-Gegnern zählen danach unter anderem der konservative Theologe Peter Hahne und der Kabarettist Uwe Steimle, die „Achse des Guten“, die JUNGE FREIHEIT und „Tichys Einblick“. Jedoch rücke ein Machwerk wie Lobins Buch „Sprachkampf“ das steuerfinanzierte IDS ins Zwielicht. Da das Institut vom Bund und dem Land Baden-Württemberg getragen wird, sind das Gelder des Steuerzahlers, wobei etwa zwei Drittel der Einnahmen allein für Personalkosten aufgewendet werden, rund 10,6 Millionen Euro. Mit Sicherheit wolle der Steuerzahler nicht, daß sein Geld für die Verbreitung von Verschwörungstheorien und Genderpropaganda verwendet wird, schreibt Thomas Paulwitz. 

Kontakt: Deutsche Sprachwelt, Postfach 1449, 91004 Erlangen. Das Jahresabo kostet 12 Euro. 

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