Eigentlich gehören sie ins letzte Jahrhundert. Da jedenfalls hatten Diane Keaton, Jane Fonda, Candice Bergen, Mary Steenburgen, Don Johnson und Andy Garcia ihre beste Zeit. Da kamen all ihre großen Filme ins Kino oder – das betrifft vor allem „Miami Vice“-Ikone Don Johnson – ins Fernsehen. Fonda war 1967 mit Robert Redford „Barfuß im Park“, Bergen versuchte 1975 in „Der Wind und der Löwe“ Sean Connery zu bändigen, Keaton half 1977 mit, „Stadtneurotiker“ Woody Allen zu therapieren.
Daß mit 66 Jahren den Worten von Udo Jürgens gemäß „noch lang noch nicht Schluß“ ist, bewiesen die drei Damen über siebzig und die 85jährige Fonda bereits eindrucksvoll in „Book Club – Das Beste kommt noch“. Ein Titel, der haargenau beschrieb, worum es in dem Seniorinnenfilm ging: um die Zuversicht, auch im gesetzten Alter noch Aufregendes erleben zu können.
Am Ende lauert eine faustdicke Überraschung
Die Inszenierung der Altersaufregungen geriet in der Filmkomödie von 2018 allerdings streckenweise peinlich. Der Buchclub, ein literarischer Gesprächskreis, den die vier Freundinnen Diane (Diane Keaton), Vivian (Jane Fonda), Sharon (Candice Bergen) und Carol (Mary Steenburgen), bereits vor fünfzig Jahren gründeten, hatte sich als Lektüre ausgerechnet die Porno-Posse „Fifty Shades of Grey“ vorgenommen, und so verflachte der Film leider zum teilweise unangenehm derben Sex-Geschnatter. Und die Handlung war so dürr wie Jane Fonda, die in den Achtzigern als Aerobic-Vorturnerin zeigte, wie man seinen Körper bis ins hohe Alter in Form hält, und jetzt, da sie eben dieses Alter erreicht hat, die Früchte ihrer Leibesübungen ernten darf.
Zwei Männer erschienen in „Book Club“ Teil eins am Horizont der gen Sonnenuntergang dahinschippernden Lebenskähne von Vivian und Diane: Letztere freundete sich mit dem humorvollen Mitchell (Andy Garcia) an und fand neues Lebensglück; Vivian stellte fest, daß alte Liebe nicht rostet, und entdeckte ihre Sympathie für ihren verflossenen, aber immer noch recht appetitlich aussehenden Liebhaber Arthur (Don Johnson) neu.
Und damit war das Menü angerichtet für den zweiten Teil der Frohsinn verbreitenden Frauengesprächskreis-Komödie, bei der erneut Bill Holderman Regie führte. Es fehlte nur noch eine Handlung, die um die vier Seniorinnen und ihre Männer herumgestrickt und ihnen übergeworfen werden mußte wie die berühmte Rettungsweste, die nach einer Notwasserung vorm Absaufen bewahrt – eine Gefahr, die auch Filme mit mittelmäßigen Drehbüchern einkalkulieren müssen. Eine Notwasserung erleiden die vier Damen auf ihrem Transatlantikflug nach Europa zwar nicht, obwohl auch das sicher amüsant hätte werden können; aber abenteuerlich wird es trotzdem.
Das Drehbuch hat einiges mit den Damen vor. Sie sollen in Italien wie einst Katharine Hepburn in „Traum meines Lebens“ (1955) genau das finden: den Traum ihres Lebens. Die Reise macht wahr, wovon die Mädels immer geträumt, es nur bislang nicht auf die Reihe gebracht haben, weil das Leben dazwischenkam. Anlaß für den Spontanurlaub ist, daß Vivian sich wider alle früheren Vorsätze entschlossen hat, ein neues Lebenskapitel aufzuschlagen: Sie will Arthur ehelichen. Das macht einen zünftigen Junggesellinnenabschied zum Gebot der Stunde. Und wo könnte man den stimmungsvoller feiern als unter der Sonne der Toskana?
Die Sehnsuchtsorte Rom, Venedig und Florenz sind die malerischen Ziele ihrer turbulenten Tour d’Italia. Zwischendurch ist Zeit für Kalendersprüche wie „Das Leben ist, was du draus machst“. Am Ende lauert auf mindestens zwei der Damen – und auf diejenigen Zuschauer, die die Nachtigall nicht vorher trapsen gehört haben – eine faustdicke Überraschung. Die fällt aber natürlich – Happy-End-Garantie – genau so aus, wie sich diese Anti-Senilitätskampagne auf Zelluloid generell beschreiben läßt: leicht verdaulich.