© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 34/23 / 18. August 2023

Landwirte ächzen und Özdemir tritt nach
Wir würden hungern
Anthony Lee

Eine Hungersnot wäre sehr lehrreich für den grünen Ernährungsminister Cem Özdemir. Das wünscht man niemandem, aber wenn Deutschland sich wie vor hundert Jahren von seiner heimischen Landwirtschaft selbst versorgen müßte, hätten wir eine klassische Mißernte und bald Nahrungsmittelmangel.

In dieser Situation will Özdemir dem Artenschutz zuliebe vier Prozent der Agrarfläche, egal ob Mais-, Getreide-, Raps-, Obst- oder Gemüseanbau, stilllegen. Das ist zwar EU-weit beschlossen, aber angesichts der schwierigen Lage in der Ukraine wurde es 2022 ebenso EU-weit ausgesetzt. Özdemir will dies beenden, dabei steigt die Zahl der Arten auf unseren Kulturlandschaften seit Jahren. Ein Effekt der Stilllegung ist wissenschaftlich auch nicht belegt.

Den Hunger gibt es trotzdem auf der Welt. Der UN-Generalsekretär spricht von einem Tsunami des Hungers, an dem alle 3,6 Sekunden ein Mensch sterbe. Und wir haben die Dekadenz, Flächen stillzulegen. Ohne den internationalen Handel hätten wir heute den Beginn einer Nahrungsknappheit in Deutschland. Dabei unterstützen wir die Ukraine massiv mit Geld, damit dort die Landwirtschaft in Gang kommt. Das ist grundsätzlich in Ordnung, weil die Ukraine bisher arme Länder Afrikas mit dem Notwendigsten versorgt hat. Seit dem Getreidedeal zwischen Rußland, der Türkei und der Ukraine geht nur noch ein marginaler Anteil dorthin. Die Masse geht nach Spanien, Frankreich, China und in die Türkei.