Es ist ein einziges Schmierenstück, das seit dem Wochenende in Bayern aufgeführt wird. Eine klassische Schmutzkampagne, über politische Gegner uralte Geschichten auszugraben, um sie auf der Ziellinie vor dem Wahltermin politisch zu vernichten. Ins Zentrum des Skandals rückt die Süddeutsche Zeitung, die eine plumpe Kolportage unter dem Titel „Das Auschwitz-Pamphlet“ vom Stapel ließ. Die SZ verriet, mit diesem Angriff die „Welle brechen“ zu wollen, auf der sie den bayerischen Vize-Ministerpräsidenten und Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, demoskopisch seit Wochen reiten sieht.
Selbst wenn Aiwanger, was er inzwischen durch Zeugnis seines Bruders unterstützt bestreitet, als minderjähriger Elftkläßler Autor eines menschenverachtenden Flugblattes gewesen wäre – er ist dafür von seiner Schule vor 35 Jahren bestraft worden. Daß nun offenbar einer seiner damaligen Lehrer unter Verletzung des Dienstgeheimnisses diese Affäre öffentlich gemacht hat, ist eine weitere abgründige Facette dieses Falls.
Daß Söder sich nicht vor den attackierten Aiwanger stellte, ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Illoyalität.
Der SZ ist das Mittel der Verleumdung und Verdachtsberichterstattung recht, um einen Politiker zur Strecke zu bringen, der im Zuge des Heizungsdesasters der Ampelregierung sprunghaft an Popularität gewonnen hat. Schockerlebnis für die SZ-Journalisten war die von der Kabarettistin Monika Gruber organisierte Großdemonstration Anfang Juni in Erding. Bei dieser Kundgebung wurde CSU-Chef Söder von einem Teil der 13.000 Demonstranten ausgebuht, Aiwanger indes frenetisch gefeiert, als er ausrief: „Jetzt ist der Punkt erreicht, wo endlich die schweigende große Mehrheit dieses Landes sich die Demokratie wieder zurückholen muß und denen in Berlin sagt: Ihr habt’s wohl den Arsch offen da oben.“
Mutmaßlich führte nicht zuletzt diese Kundgebung dazu, daß die Ampel in Sachen Heizungsgesetz begann zurückzurudern. Aber auch bei der Söder-CSU sitzt seitdem der Stachel tief. Söder tobt, weil ihm Aiwanger zunehmend die Schau stiehlt. Nach Erscheinen des SZ-Pamphlets schien die Stunde der Revanche gekommen. Montag abend versuchte Söder bei einer Bierzeltrede in Landshut Aiwanger damit zum Gespött zu machen, indem er ihn mit Hitler-Stimme persiflierte. Statt sich der Pressekampagne entgegen schützend vor seinen Regierungspartner Aiwanger zu stellen, wirft sich Söder mit einem Katalog von 25 Fragen zum Chefankläger auf. Tiefer kann er kaum sinken. Kein Zeichen der Stärke, sondern Illoyalität. Die bayerischen Wähler dürften diese Farce durchschauen – und vielleicht ist am Ende nicht Aiwanger, sondern Söder nach der Wahl Geschichte.