© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 43/23 / 20. Oktober 2023

Bildungsstudie: Migration senkt Niveau
Wann ist es „zu fil“?
Josef Kraus

Die jüngste Bildungsstudie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) attestiert Neuntkläßlern: Im Fach Deutsch werden die Mindeststandards für den Mittleren Schulabschluß im Lesen von 33 Prozent der Jugendlichen nicht erreicht, in Orthographie von 22. Das sind jeweils neun Prozentpunkte mehr als 2015. Es kommt ein innerdeutsches Gefälle hinzu: Vornedran sind Bayern und Sachsen, hinten Berlin, Bremen und NRW.

Daß die oft unnötigen „Corona“-Schulschließungen eine Rolle spielen, mag sein. Entscheidender sind die abgesenkten Ansprüche mitsamt einer Inflation an immer besseren Noten und der stark wachsende Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. 2022 wiesen 38 Prozent aller Neuntkläßler einen Zuwanderungshintergrund auf. Das sind wiederum neun Prozentpunkte mehr als 2015. Der Anteil der Familien, in denen nie oder nur manchmal Deutsch gesprochen wird, ist zudem um elf Prozentpunkte auf 32 Prozent gestiegen.

Im Klartext: Die Bildungsprobleme haben viel mit Schülern „nichtdeutscher Herkunftssprache“ zu tun. Ein maßgebliches Problem der „Bildungsnation“ ist also importiert. Nota bene: Die Tests sind ohnehin nicht zu anspruchsvoll. In der Orthographie etwa soll man erkennen, daß „fiel“ und nicht „fil“, „endlich“ und nicht „entlich“ geschrieben wird.






Josef Kraus war dreißig Jahre lang Präsident des Deutschen Lehrerverbandes