Goldstaub. Das „Archiv des Corona-Unrechts“ lautet der eigentlich alles sagende Untertitel des Buches „Ich-habe-mitgemacht“. Herausgegeben von Kontrafunk-Macher Burkhard Müller-Ullrich, stellt es ausgedrucktes Internet dar. Die gleichnamige Webseite, welche die unzähligen Entgleisungen und geistigen Verwüstungen der Corona-Zeit sammelt, ist weiterhin erreichbar. Wozu also dieses Buch? „Eine Welt, in der es dieses Buch nicht gäbe, wäre eine bessere“, schreibt dann auch Müller-Ullrich, der vor Kontrafunk schon mit dem Indubio-Podcast abseits des Mainstreams einige mediale Erfolge erzielte, nach seiner Karriere als Journalist bei Bayerischem Rundfunk, Focus, Frankfurter Rundschau, Süddeutscher Zeitung, Welt, Zeit und anderen. Die Welt wäre eine bessere, wenn es dieses Buch nicht geben könnte und auch nicht geben müßte. Die Notwendigkeit ist aber leider mehr als gegeben, zumal eine politische und wissenschaftliche Aufarbeitung immer noch auf sich warten läßt. In dem Buch ist nun ein Best-of der Netzsammlung, die es jedem ermöglicht, dieses dokumentierte Unrecht auch physisch gegen das Vergessen oder gar eine mögliche Löschung der Bits und Bytes abzusichern. „Daher habe ich mich entschlossen, aus der Webseite ein Kohlenstoffobjekt zu machen: (…) zum Krafttanken für künftigen Widerstand.“ (mp)
Burkhard Müller-Ullrich (Hrsg.): Ich-habe-mitgemacht. Das Archiv des Corona-Unrechts. Kontrafunk Edition, Steckborn 2023, broschiert, 550 Seiten, 44 Euro
Steimle. Der 60. Geburtstag bietet oft eine Gelegenheit, durch das Prisma der eigenen Erfahrung kritisch auf die Gegenwart zu blicken. Darin versucht sich nun Uwe Steimle. Der als Hauptkommissar Jens Hinrichs aus der ARD-Krimireihe „Polizeiruf 110“ bekannte Schauspieler und Kabarettist trat in den letzten Jahren zunehmend als kritischer Betrachter aktueller Politik auf. Seine Gedanken dazu faßt er jetzt in einem „Nachtschränkchenbuch“ zusammen. Im gewohnten Ton kommentiert er den Ukraine-Krieg, die Politische Korrektheit sowie die Fehltritte der Ampel. Ergänzt werden die neunzehn Kapitel mit transkribierten Ausschnitten aus seinem Videokanal „Steimles Welt“ auf Youtube. Damit bietet das Buch ein Potpourri altbekannter Vergleiche, gelebter Ostalgie und ziemlich flacher Witze. Meist treffen Steimles Zeilen zwar ins Ziel, doch vieles dürften die Leser bereits von woanders her kennen. (kuk)
Uwe Steimle: Mit Geduld und Spucke. Verlag Faber und Faber, Leipzig 2023, gebunden, 144 Seiten, 22 Euro