© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 45/24 / 01. November 2024

CD-Kritik: Wolfgang Sawallisch
Der Grundsolide
Jens Knorr

Er war kein Revolutionär der Aufführungs-praxis – der Dirigent Wolfgang Sawallisch, der auch bedeutender Kammermusiker war. Sein Name ist untrennbar mit der Bayerischen Staatsoper München verbunden, deren Vorstellung von „Hänsel und Gretel“ der Elfjährige erstmals besuchen durfte und deren Generalmusikdirektor er 1971 wurde. An seinem Haus hat er alle 13 Bühnenwerke Richard Wagners und alle 15 Opern von Richard Strauss herausgebracht.

Sawallischs Schallplattenkarriere begann weit früher. Der Musikdirektor des Aachener Theaters wurde von dem Produzenten Walter Legge für Produktionen von Richard Strauss’ „Capriccio“ und Orffs „Die Kluge“ und „Der Mond“ mit dem Philharmonie Orchestra gesetzt. Die meisten der in einer Box neu herausgebrachten 14 Opernaufnahmen hat er mit dem Orchester der Bayerischen Staatsoper, Strauss’ harmlos- hirnlose Komödie „Intermezzo“ mit dem Symphonieorchester der Bayerischen Rundfunks gemacht. Die Box bietet Wiederbegegnungen mit Edda Mosers furioser Königin der Nacht, Peter Schreiers unvermeidlichem Tamino, Bernd Weikls unterschätztem Hans Sachs und Elisabeth Schwarzkopfs Gräfin Madeleine und ihrer klugen Bauerntochter mit ihrem unvergleichlich klug gesungenen Schlaflied für den König.

Wenn auch nicht in jeder Rolle, so ist das Gesamtensemble auch in Großwerken wie Strauss’ „Frau ohne Schatten“ oder Wagners „Ring“-Tetralogie fast optimal. Noch zu Unzeiten eines durchkapitalisierten Musikmarkts wollte Sawallisch vom Ensemblegedanken nicht ablassen.

Wolfgang Sawallisch Opernaufnahmen Warner Classics 2024 www. warnerclassics.com www.sawallisch-stiftung.de