Drei Stunden Strom täglich verspricht die staatliche Unión Eléctrica (UNE) derzeit den Kubanern. Das ist mehr als in den fünf Tagen, in denen auf der Karibikinsel das Licht ausgegangen war. Nur die internationalen Flughäfen, die großen Krankenhäuser sowie die KP-Zentrale hatten mittels Notstromaggregaten eine Minimalversorgung. Ironischerweise hatte Präsident Miguel Díaz-Canel am 17. Oktober per TV-Ansprache den Energie-notstand und für Freitag Sonderurlaub ausgerufen, als dann wenige Stunden später tatsächlich der Blackout kam: Das 36 Jahre alte Ölkraftwerk „Antonio Guiteras“ in der Provinzhauptstadt Matanzas fiel komplett aus. Obwohl es seit Jahren nicht mehr seine Maximalleistung von 317 Megawatt (MW) brachte, konnten die übrigen Erzeuger den Ausfall nicht kompensieren. Stromimporte, die in Deutschland seit dem Atomausstieg das Netz stabil halten, kann sich die Tropeninsel nicht leisten – und ein Unterseekabel ins 145 Kilometer entfernte Florida verhindert die ideologische Feindschaft.
Eine Ursache sei die mangelnde Bereitschaft der Kubaner, sich private Solarpaneele zu kaufen.
In abtauenden Kühlschränken verdarben die kostbaren Lebensmittel, und die schwülheißen Nächte wurden ohne Ventilatoren zur Strapaze. Lediglich die Mücken und anderes Ungeziefer fühlten sich wohl – dennoch gab es keinen Volksaufstand. Obwohl die UNE am 22. Oktober die Wiederherstellung der Netzsynchronisierung verkündete, gibt es nun landesweit Notstrompläne à la Südafrika. Und in den staatlichen Kommentarspalten werden die „heldenhaften Elektriker Kubas“ gefeiert, deren „gigantische Arbeit unseren Glauben an die Revolution stärkt“. Kritische Anmerkungen, daß Havanna wieder Strom hat, aber die übrigen Provinzen „zu ihrer Routine von 15 bis 20 Stunden täglichen Stromausfall zurückkehren“, wurden gelöscht. Als Ursache für den Blackout hat die KP-Regierung drei Probleme ausgemacht: die US-Wirtschaftsblockade, den enormen Strombedarf durch die neuen Privatunternehmer und die mangelnde Bereitschaft der Kubaner, auf Solarpaneele zu setzen. Zu letzterem hatte UNE-Chef Alfredo López Valdés geraten, und damit für großen Unmut gesorgt: Das kann sich kein Normalbürger leisten.