Seine Reportagen aus dem Wendejahr 1989/90 hat Matthias Matussek, damals vielgelesener „Spiegel“-Reporter, in dem Buch „Palasthotel oder Wie die Einheit über Deutschland hereinbrach“ zusammengefaßt. Als es erstmals 2005 im S. Fischer Verlag erschien, war der Mauerfall bereits sechzehn Jahre her und damals schon von vielen fast vergessen. Die Texte handeln unter anderem von dem Dramatiker Heiner Müller, der Opern- und Theaterregisseurin Ruth Berghaus, dem Schauspieler Hans-Peter Minetti und der Defa, von dem Buchhandel in der DDR, einer Oberschule und dem Museum für Deutsche Geschichte in Ost-Berlin. Dazwischen teilt Matussek autobiographische Beobachtungen mit und kommentiert das Zeitgeschehen. Die FAZ lobte das Buch: „Ein besserer Weg zum alten neuen deutschen Anfang findet sich nicht so schnell.“ Alexander Osang schrieb vorige Woche im Spiegel, es sei das „beste westdeutsche Reporterbuch über die Wendezeit“.
Jetzt liegt das zwischenzeitlich nur noch antiquarisch erhältliche „Palasthotel“ in einer klappenbroschierten Neuausgabe vor, ergänzt um ein aktuelles Vor- und Nachwort des Autors. Zur Idee dahinter schreibt Matussek mit Blick auf heutige Wirrnisse, die Wiedervorlage seiner Berichte von damals möge die Sinne schärfen für eine düstere Prohezeiung der DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, „nämlich daß der Argwohn, die Angst, die geheimen Verbote, das Beobachten, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen, wiederkommen wird“. (tha)
Matthias Matussek: Palasthotel oder Wie die Einheit über Deutschland hereinbrach. Edition Buchhaus Loschwitz, Dresden 2024, broschiert,, 253 Seiten, 19 Euro
Foto: Matthias Matussek residierte 1989/90 im Palasthotel in Ost-Berlin: Devisenkasten